Wenn es gekracht hat, ist keiner zu beneiden. Vor allem nicht das Unfallopfer, also der Geschädigte. Der bekommt zwar den Schaden ersetzt, dafür muss er aber allerlei Verwaltungsarbeit auf sich nehmen, den Schaden durch einen Sachverständigen begutachten lassen, eine Werkstatt suchen und vieles mehr. Und das wollen die Versicherer dem Geschädigten jetzt abnehmen. “Neues Versicherungsmanagement” heißt die Zauberformel.
Die Schadensabwicklung soll damit schnell und unkompliziert ablaufen.

Doch Vorsicht:

Der Geschädigte könnte hier den Kürzeren ziehen und auf eine Anzahl seiner Ansprüche verzichten. So liegen Plusminus zahlreiche Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass Betroffene selbst bei Schäden bis 3.500,- Euro das Recht auf einen externen und unabhängigen Gutachter verwehrt wird.
(Welches nach gültiger Rechtsprechung nicht zulässig ist).

Eine andere Methode ist, dass Versicherungen versuchen, den Geschädigten in eine Werkstatt zu verweisen, die mit der Versicherung zusammenarbeitet, folglich nicht unbedingt unabhängig ist. Primäres Ziel hierbei: Der Schaden soll schnell und vor allem auch preiswert repariert werden. Für den Betroffenen könnte das zur Konsequenz haben: Die Reparaturen erfolgen zeitwertgerecht, das heißt, der Einbau von gebrauchten Ersatzteilen wird vorgezogen.
Beschädigte Karosserieteile werden nicht durch neue ersetzt, sondern ausgebeult.
Damit Sie im Streit mit der Versicherung gewappnet sind, haben wir für Sie die wichtigsten Tipps zusammengetragen, worauf Sie achten sollten, falls Sie unverschuldet Opfer eines Autounfalls geworden sind.

Sachverständiger / Rechtsanwalt:

Unser Tipp:

Bestehen Sie immer auf unabhängige Berater Ihrer Wahl, wie Sachverständige und Rechtsanwalt.

Wichtig:

Die Kosten für einen unabhängigen Sachverständigen Ihrer Wahl muss die gegnerische Versicherung übernehmen, außer bei Bagatellschäden unter 750,- Euro. Wenn Sie nicht sicher sind, ob der Schaden 750.- € unterschreitet, bemühen Sie trotzdem einen Sachverständigen, er wird in der Regel keine Kosten geltend machen.
(Außer vielleicht Anfahrtskosten)

Sie müssen keinesfalls einen von der Versicherung vorgeschlagenen Sachverständigen akzeptieren, auch dann nicht, wenn dieser bereits eingeschaltet wurde. Sie haben auch Anspruch auf einen Rechtsanwalt.

Wichtig:

Die gegnerische Haftpflichtversicherung muss nicht nur die Prozesskosten, sondern auch Ihre Anwaltskosten tragen, falls die Haftung zu Ihren Gunsten entschieden wird.

Wertminderung:

Von versicherungsrechtlichen Gutachten wird die Position Wertminderung gern übersehen oder aber häufig zu niedrig geschätzt. Das müssen Sie sich nicht gefallen lassen. Denn die gegnerische Versicherung muss Ihnen den Wertverlust ersetzen, den Ihr Auto nach dem Unfall hat.

Nutzungsausfall:

Als Privatperson können Sie den Nutzungsausfall pauschal nach Tagessätzen geltend machen. Die Sätze liegen je nach Fahrzeugtyp etwa zwischen 30,- und 75,- Euro.

Achtung:

Häufig argumentieren Versicherungen, dass Sie als Geschädigter, wenn Sie verletzt wurden, ohnehin nicht fahren können. Laut Rechtsprechung genügt es jedoch, wenn ein Dritter, wie ein Familienmitglied oder die/der Verlobte, das Fahrzeug mitbenutzt hatte und damit fahren könnte.

Mietwagen:

Anstatt Nutzungsausfall können Sie aber auch auf einen Mietwagen bestehen.
Dieser darf nicht einer höheren Typklasse angehören, als Ihr eigenes Fahrzeug. Auch hier verweigern die Versicherungen immer wieder die Kosten. Oft mit dem Hinweis, dass der Geschädigte ein billigeres Angebot hätte einholen müssen.
Das ist aber falsch. Laut Bundesgerichtsurteil müssen Sie keine umfangreichen Preisvergleiche vornehmen. Sie dürfen nur kein erkennbar überteuertes Angebot anmieten.

Mehrere Versicherer gründeten eine Mietwagenfirma unter dem Namen Car-Partner.
Hier werden erheblich günstigere Konditionen offeriert, als auf dem freien Markt.

Achtung:

Es ist nicht zulässig, wenn der Versicherer Ihnen mitteilt, dass er nur die Kosten für Car-Partner Fahrzeuge erstattet.

Reparaturen:

Immer wieder versuchen die Versicherungen durchzusetzen, dass in einem drei oder vier Jahre alten Auto nur gebrauchte Ersatzteile zu erstatten seien. Die Versicherungen sprechen hier von einer zeitwertgerechten Reparatur.

Doch Vorsicht:

Das ist unzulässig. Sie haben bei der Reparatur Ihres Unfallautos den Anspruch auf neue Ersatzteile.
Unzulässig ist es auch, wenn Versicherungen darauf bestehen, beschädigte Karosserie-Teile wieder auszubeulen, obwohl laut Gutachten eine Erneuerung des Teiles angebracht wäre.

Noch ein Tipp:

Wenn Sie Ihr verunfalltes Auto unrepariert verkaufen, können Sie trotzdem die vom Gutachter festgestellten Reparaturkosten verlangen. Allerdings wird der Betrag der Mehrwertsteuer abgezogen.

Totalschaden:

übersteigen die Reparaturkosten den Wert des Fahrzeuges, können Sie überlegen, ob Sie die Wiederbeschaffungskosten für ein gleichwertiges Fahrzeug vorziehen.

Doch Vorsicht:

Hier wird der Restwert Ihres Unfallautos vom Wiederbeschaffungswert abgezogen. Häufig kommt es vor, dass die Haftpflichtversicherungen Restwertangebote ermitteln, die weit über den Angeboten liegen, die der Sachverständige ermittelt hat.

Maßgebend ist nur der Wert, den der Sachverständige am seriösen Markt ermittelt hat.
Möchten Sie das Unfallauto behalten und weiterfahren, so haben Sie Anspruch auf Reparatur auch dann, wenn die Reparaturkosten (einschließlich Wertminderung) den Wiederbeschaffungswert um bis zu 30 Prozent übersteigen.

Wichtig:

Der Fahrzeugschaden am Wagen muss komplett durch die gegnerische Versicherung ersetzt werden.
Entweder auf Basis eines Kostenvoranschlages oder eines Sachverständigengutachtens.

Ob und von wem repariert wird, spielt keine Rolle. Selbst wenn Sie die Reparatur in einer Fachwerkstatt ausführen lassen, sind Sie nicht verpflichtet, zur Abrechnung des Unfallschadens die Reparaturrechnung vorzulegen.

Sendung plus minus ARD vom 16.11.1999 / Artikel und Urheberrechte
Verband freier Kfz-Sachverständiger e.V




   

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